Mona "Granny"

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Wie alles anfing...

Am 13.03.2013 bekam das Bullterrier-in-Not-Team von der Tierschutzorganisation Animalhope Tierhilfe Nitra einen Hilferuf weitergeleitet.
In Lucenec/Slowakei wurde eine ältere Bullterrierhündin mit einem großen Mamatumor in einem Abbruchhaus gefunden.
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Die ältere Hündin schlief auf dem Bauschutt so tief, dass die Tierschützer vor Ort sie zuerst für tot hielten...
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Im slowakischen Auffanglager angekommen, wurde sie erst einmal gefüttert und der Tumor begutachtet.
Schnell war klar, dass sie zwecks tierärztlicher Versorgung und eventueller Operation dringend nach Österreich ausreisen sollte.

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Gesagt, getan - eine Pflegestelle wurde organisiert und in Zusammenarbeit mit Animalhope Nitra durfte "Mona", jetzt liebevoll "Granny" genannt, am 16.3. nach Österreich reisen.

Mein neues Leben - aus Grannys Sicht

16.3.2013
Nach zwei Stunden in einem komischen, sich bewegendem Blechkasten wurde ich von einigen Zweibeinern begrüßt und ausgeladen. Die schnallten mir so ein komisches, langes Ding um, an dem sich mich führen wollten.
Ausgerechnet mich, die glauben doch ernsthaft nicht, das ich nicht selbst weiß was ich will. Andere bezeichnen das als stur, ich bevorzuge den Ausdruck konsequent ;-)
Die Zweibeinerin meinte, dass mein "Leine gehen" wohl eher mit Tauziehen vergleichbar wäre.
Doch dann zeigten sie mir endlich mein neues "Zuhause", klingt gut oder? Die, meine, Zweibeinerin meinte allerdings noch, dass ich zuerst einmal ins Bad muss, weil ich stinke. Die hat doch gar keine Ahnung wie schwierig es war dieses Eau de Parfum in dieser Geruchsart hinzubekommen, gut zugegebenermaßen mich juckte es am ganzen Körper und gut sehen konnte ich, aufgrund der Eitermengen in meinen Augen, auch schon länger nichts.
Meine Zweibeinerin schlug im Badezimmer (der Ort des Grauens) die Hände über dem Kopf zusammen:
Ich hatte eine megamäßige Ohrentzündung plus Ohrmilben, eitrige Bindehautentzündung, Schnupfen und Husten (so ein Abbruchhaus ist nun einmal nicht beheizt) und jede Menge Flöhe.
Zugegebenermaßen die mehrmalige Dusche hat richtig gut getan und so schlecht roch ich danach auch nicht.
Nachdem die ganzen Untermieter beseitigt waren, hab ich mir noch richtig den Bauch vollschlagen und dann im warmen Zimmer auf zwei Decken, die ich vorher fachgerecht zusammengefalten und zerissen hab, schlafen dürfen.
So kann es bleiben, dachte ich mir noch, bevor ich wohlig weggeschlummert bin.

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Tierarztbesuch und Diagnose 

Montag, den 18.03.2013, ging es mit Granny gleich zu unserem Tierarzt.
Zu dem Zeitpunkt war noch recht unklar, ob man den Tumor nicht eventuell doch operativ entfernen kann. #
Die Diagnose an dem Tag war leider ziemlich niederschmetternd.
Das geschätzte Alter von 5-6 wurde einmal auf Minimum 8-10 + angehoben (aber pssst vor Granny, ältere Damen sprechen nicht gerne darüber ;-)).
Die Zähne sind in furchtbarem Zustand, die von ihrem Pflegefrauli festgestellte Ohrentzündung plus Ohrmilben und Bindehautentzündung benötigten ebenfalls eine dringende Behandlung.
Die Augen weisen außerdem bereits einen Schleier auf und, abgesehen von ihrer Taubheit, sieht sie somit auch schon sehr schlecht.
Also gab es eine Großpackung Antibiotika und Cortison, Augensalben und Ohrentropfen.
Auch ihre Tumore wurden abgeklärt, mit einer niederschmetternden Diagnose:
Leider inoperabel, da schnellwachsend und bereits zu groß. Außerdem hat die Maus bereits Metastasen (und andere Schatten/Wasser) in der Lunge.

Schweren Herzens haben wir uns deshalb entschlossen ihr, ihre letzte Zeit, so schön und schmerzfrei wie möglich, ohne operative Maßnahmen, zu gestalten.
Granny benahm sich beim Tierarzt übrigens vorbildlich. Auch wenn der Tierarztkater diese Meinung sicher nicht teilt - er war bei seinem Futter eindeutig zu langsam.

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Mein Alltag - aus Grannys Sicht

Nach einer langen und geruhsamen Nacht auf weichen Decken und der neuerlichen Begutachtung des Massenmordes an meinen Untermietern durch die Zweibeinerin, lernte ich die anderen Vierbeiner hier kennen.

Ich kann euch sagen, da gibt es einige!
So kleine mit Spitzohren, die Krallen haben, miauen und ganz furchtbar fauchen, wenn man auf sie drauf steigt. Und andere Hunde, auch welche die genauso aussehen wie ich.
Könnten allesamt meine Kinder sein, wobei ... nein die wären besser erzogen ;-))
Keinen Respekt mehr vor dem Alter diese Jungspunde, da musste ich doch mal deutlich machen, dass ich keinen Wert mehr auf Renn-und Rempelspiele lege.
Die Zweibeinerin und ich haben binnen der ersten Stunden ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem entwickelt. Wenn ich wo rein oder raus will, beiß ich einfach so lange in die Tür, bis die Zweibeinerin angelaufen kommt und sie mir öffnet. Funktioniert super, kann ich nur weiter empfehlen.
Wenn ich nicht kommen will (und hören tu ich sie ja nicht), dann schau ich einfach in die andere Richtung und ignoriere sie gekonnt während sie herumhampelt, springt, winkt und sich vor allen zum Affen macht.
Und das tägliche Futter erst, ein Traum, sag ich euch. Vielleicht, aber nur vielleicht, sehe ich demnächst auch davon ab aus diesen runden Töpfen in denen die Zweibeiner so gern herumbuddeln, die kleinen Pflanzen zu fressen.

Kaum zwei Tage im neuen Zuhause, wurde ich schon zu einem anderen Zweibeiner geschleppt. Dort roch es komisch (ja meine Nase funktioniert quasi einwandfrei), es waren einige Vierbeiner im Raum, die allesamt nicht viel Gutes zu erzählen hatten. Dabei war es gar nicht so schlimm, ich musste nur auf einem Tisch bisschen herumstehen, während an mir gezupft, gehorcht, geschnitten, getropft und herumgefummelt wurde.
Dafür gab es ständig ein Leckerchen, nichts leichter als still zu stehen. Nur wenn ich woanders hingehen sollte, musste meine Zweibeinerin mich tragen. Gehen tu ich nur dorthin wo ich will - und vorallem wann ich will! :-)
Als krönenden Abschluss, während die Zweibeiner vor komischen Bildern standen und sich unterhielten, klaute ich dem Krallentier (auch Katze genannt) sein Futter.

Meine Lieblingsplätze:
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Leider ist das Wetter (Ende März/Anfang April) nicht ganz mein Fall, ich liebe es in der Sonne zu schlafen und wandere dementsprechend im Garten herum - immer der Sonne nach :-)
Ein Schneefoto hat die Zweibeinerin allerdings von mir gemacht, ich sags euch... wie ein Paparazzi!

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Ich bin jetzt 1,5 Monate (Stand 29.04.13) bei meiner Zweibeinerin und den anderen Vierbeinern und genieße es so richtig. Meine Augen sind gar nicht mehr entzunden und in den Ohren kribbelt es nicht mehr.
Der Tumor wächst und wächst, aber daran habe ich mich super gewohnt, auch wenn er jetzt schon ziemlich störend ist.
Meine Zweibeinerin meint ich mache sie mit meiner Alterssenilität ab und an wahnsinnig, die hat ja keine Ahnung, dass das pure Berechnung ist.
Ich habe es nun einmal nicht eilig, wenn sie hüpft und winkt und ich gehe gerne die Gegend erkunden, was kann ich denn dafür wenn sie zu langsam für mich ist?

Nachbarn begrüßen und Leckerlies abstauben gehen ist eines meiner größten Hobbys:
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Und ich bin ganz großzügig im Streicheleinheiten verteilen lassen :-)

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Wenn die Zweibeiner arbeiten, bin ich natürlich mittendrin statt nur dabei, irgendjemand muss ihnen schließlich helfen!

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Nach dieser schweren Tätigkeit hab ich mir, den ersten, "Ochsenziemer" meines Lebens verdient - stinkendes, leckeres Riesenteil. Meine Zweibeinerin hat mir allerdings nicht erlaubt das auf ihrer (ich lasse sie einfach in dem Glauben) Couch zu fressen...
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Bei Schlechtwetter helfe ich meiner Zweibeinerin auch voller Motivation bei ihrern Schreibarbeiten am Laptop. Allerdings endet das meistens damit, dass sie mich von der Couch schmeißt, weil ich mich am liebsten auf die Tasten lege und ihre ganze Arbeit vernichte.
Soll nicht so viel Zeit vor dem Teil verbringen, sondern mich streicheln und genügend Futter richten, jawohl!
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Dann verziehe ich mich einfach schmollend in diverse Schlafkörbchen, davon gibts hier ja zum Glück reichlich. Aber, so ganz unter uns gesagt - ich bevorzuge doch die Couch, umso weicher und kuscheliger umso besser, ich will nie wieder auf Schutt und Steinen schlafen wollen :-)

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Ab und zu fahren wir zum Tierarzt zur Kontrolle (nebenbei erwähnt, ich liebe es in diesem Blechding mitzufahren), meine Zweibeinerin tropft brav weiterhin täglich meine Augen und Ohren ein und einmal habe ich noch ein anderes Antibiotika gebraucht. Seit dieser Spritze fühle ich mich um Jahre jünger! Ich benehme mich wie ein Jungspund, sagt meine Zweibeinerin immer. Wenn die wüsste.... :-))

Tumor-Fotos vom 21.04.2013:
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Das ich am allerliebsten draußen herumstreune und es mir gemütlich mache, habe ich doch schon erwähnt oder?
Am liebsten "urlaube" ich vier Häuser weiter, die Zweibeiner trinken komisches braunes Zeug, welches sie Kaffee nennen und ich mache den fremden Garten unsicher und teste die Gartenliegen.

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Mein absoluter Lieblingsplatz - alleine schon aufgrund des Schildes:
"All you need ist love... and a DOG"
Wenn ich es präzisieren müsste, würde statt "dog" dort Bullterrier stehen, aber ich bin ja nicht kleinlich... :-))
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Wir gehen auch viel spazieren, also Gegend erkunden mit den Zweibeinern und anderen Hunden, das genieße ich total :-)
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Außerdem habe ich, laut der Zweibeinerin, anscheinend bei einem Comic (auf Facebook gefunden) als Vorlage gedient ;-))
Dabei sind wir Bullis uns in der Hinsicht doch alle ähnlich! Die Zweibeiner nennen das eventuell stur, ich bevorzuge den Ausdruck "willensstark"..
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Leider wächst mein Tumor nach wie vor sehr schnell, juckt und die "Blasen" platzen langsam auf, aktuelle Fotos von 8.5
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Allen gesundheitlichen Problemen zum Trotz (bei dem warmen Wetter spielt mein Herz auch nicht mehr so mit, das atmen fällt mir schwerer), genieße ich die Sonne und gehe nach wie vor gerne die Nachbarn besuchen.
Die haben so tolle Wäschekörb...äh Bulli-Körbchen!
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Wenn es mir in den Körbchen zu eng wird, bequeme ich mich auch einmal auf die Zweibeiner-Bank, wie man auf den oberen Fotos sieht bin ich schließlich anpassungsfähig und faltbar :-)
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Leider mussten wir Granny am 10.05. über die Regenbogenbrücke begleiten. Sie ist in aller Ruhe in den Armen ihrer "Zweibeiner" im Sonnenschein eingeschlafen.
Es war nur eine kurze Zeit, in der sich unsere Wege kreuzten, aber Granny war ein ganz außergewöhnlicher Hund, der immer einen besonderen Platz in unserem Herzen haben wird.  

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Du bist nicht mehr da, wo du warst, 
aber du bist überall, wo wir sind.

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